Ich glaube, begonnen hat es mit einem grossen „Gluscht“ auf einen Kaffee. Oder war es die Krise des FC Basel? Oder war es einfach an der Zeit eine neue Brille zu kaufen?

Eigentlich begann das ganze vor 2 Jahren: Es war Herbst. Ein sehr schöner Herbst. Auf dem Bauernhof meiner Frau summten die Bienen noch. Die Vögelchen waren noch da und pfiffen schöne Lieder. Die Bäume verloren ihre Blätter – und der Max, ja der Max sass auf dem Traktor und fuhr die gerade geernteten Äpfel zur Waage hinter dem Haus. Da alles korrekt sein soll, wenn man die Äpfel pressen lässt – bestimmt man das Gewicht eben dieser Äpfel immer bevor man sie zur Mosterei bringt, wo es daraus feinen Apfelsaft gibt. Das Gewicht von jeweils vier Harassen Mostäpfeln schreibt man auf eine Liste, bis man zwölf Harassen hat. Soviel passen auf die Ladefläche des Traktors. Da ich mit meiner Brille nur in die Weite sehe und mir das Lesen mit ihr mittlerweile sehr schwer fällt, zog ich sie zum Kontrollieren der Gewichtsliste ab. Ich hatte auch einen wahnsinnig durchdachten Ort, wo ich sie immer hinlegte, um die Liste zu kontrollieren. Ich legte sie immer auf den hinteren Traktorreifen. Ist das nicht raffiniert? Lieber Leser dieses Berichtes – Sie werden es nicht glauben was dann passiert ist: Ich fuhr los – ja jetzt kommt’s – ohne die Brille aufzusetzen (war das nicht unerwartet?).

Es kam wie es kommen musste: Nach einiger Zeit merkte ich, dass die Welt nicht mehr die gleiche war wie früher (als ich die Brille noch auf hatte). Nach einer kurzen Analyse (wurde die Welt unschärfer oder lage es an meinen Augen) entschied ich mich. Es muss die Brille sein. Leider haben wir sie, dank des Herbstes nicht gleich gefunden. Der ganze Hinterhof war voller Blätter – ich wische diesen ja eigentlich immer – aber an diesem Herbsttag entschied ich mich, dies erst nach dem Ernten und Wiegen der Äpfel zu tun. Da ich gar nicht so eine schlimme Korrektur habe, konnte ich die Arbeit auch ohne Brille abschliessen.

Wer braucht schon auf einem Weg durch Wald, Äcker und Hauptstrassen eine Brille? Als ich die Äpfel bei der Presse abgegeben hatte und auf dem Hof zurückkam begrüsste mich meine Frau mit meiner Brille in der Hand. Sie war verbogen und an den Rändern zerkratzt, aber sonst noch voll funktionsfähig. Die Brille meine ich – nicht meine Frau. Ich bog sie (die Brille) wieder zurecht und entschied mich, am nächsten Tag neue Gläser kaufen zu gehen.

Zwei Jahre später kam der Morgen an dem ich es auch machte. Nicht ganz freiwillig. Wie bereits schon anfangs beschrieben, trieb mich heute der „Gluscht“ auf einen Kaffee aus dem Bett. Nach dem Bad ging ich in die Küche und lies die Kaffeemaschine an. So weit so gut. Auf der Ablage neben der Kaffeemaschine lag eine drei Tage alte Zeitung. Offensichtlich war meine Frau genauestens darüber informiert, wo ich als erstes nach dem Aufstehen hingehe (NSA?, iPhone? oder Erfahrung?).

Die Schlagzeile war „FC Basel in der Krise“. So eine Provokation lies ich mir von dieser Zeitung nicht gefallen. Ich zog meine Brille aus (Achtung!) die ich ja nicht brauche zum Lesen und legte sie neben die Kaffeemaschine (Aha!) und las den Bericht. Offensichtlich ist der Trainer des FC Basels nicht mehr sicher auf seinem Stuhl trotz des letzten Sieges gegen Chelsea.

Während ich den Bericht las, hörte die Maschine auf mit Blinken – was ein Zeichen dafür war, dass sie bereit war mir einen Kaffee zu brauen. Bevor ich jedoch der „Startknopf“ betätigte – öffnete ich die Schranktüre über der Kaffeemaschine, in der der künstliche Zucker stand, den ich zum süssen meines Kaffees benötigte.

Ich hörte in diesem Moment ein Geräusch, das sehr schwer zu beschreiben ist, es hatte etwas von Gläsernem, das auf Holz rutscht. Das Geräusch, das ich hörte, kam der Realität sehr nahe. Es war ein Schälchen, das wir immer für Snacks brauchen, wenn wir Gäste haben. Dieses Schälchen fiel genau auf meine – ACHTUNG JETZT KOMMT’S – Brille, die sofort am linken Bügel zerbrach. Bevor das Schälchen jedoch meine Brille verunstaltete, streifte es im Fluge noch die Sirupflasche, die neben der Kaffeemaschine stand, die umfiel und meine Kaffeetasse von der Maschine warf.

Jetzt nach mehr als zwei Jahren mit der lten verogenen Brille gehe ich zum Optiker und bestelle auch gleich noch zwei neue Gläser zu meinem kaputten Gestell. Gläser die mir ermöglichen mit der Brille in die Ferne zu sehen und zu lesen.

Ich wünsche allen einen unfallfreien Tag!